Fascination with the Unknown

The Other

Workshops, Performances and Symposium

27 to 29 October 2016 | Leipzig

Workshops

Friday 28 October 2016, Haus Steinstraße

 

Selected participants will be able to explore different ways of empathizing with and understanding the other in workshops under the guidance of professional writers, dance choreographers, theatre directors and meditation teachers to ground the theoretical exploration in experience. The workshops aim at enabling an experiential, very personal approach to the phenomenon of other minds.



Das Du schreiben - Schreiben in und aus anderer Perspektive
Martina Hefter

Wie spreche ich als jemand anderer? Wie denke ich als jemand anderer? Muss ich dazu Gedanken lesen können? Oder ist alles nur eine Frage, Wörter an die richtigen Stellen zu setzen? Wie sieht so ein Denken geschrieben aus? Wenn ich als mein Gegenüber spreche, wo befinde ich mich selbst?

In diesem Workshop werden Sie Techniken literarischen Schreibens kennenlernen, die zur Anwendung kommen, wenn aus der Sicht einer anderen Person bzw. eines anderen Bewusstseins erzählt/geschrieben/gedacht werden soll. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Frage nach der literarischen Perspektive liegen. In mehreren Schreibübungen probieren Sie aus, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen bzw. abzubilden. Ebenso werde ich Ihnen Techniken vorstellen, wie Sie Erleben und Denken in Sprache unmittelbar und lebendig werden lassen. Zur Veranschaulichung werden wir gemeinsam Beispiele aus der Gegenwartsliteratur (Prosa und Lyrik) näher betrachten. Außerdem werden wir das Vorlesen von Texten üben, da der Kern jeder literarischen Sprache in ihrer Mündlichkeit liegt und jeder Text auf Papier nur funktioniert, wenn er auch vorgelesen funktioniert. Am Ende des Workshops haben Sie eine oder mehrere Skizzen erarbeitet, die wir uns in einer kleinen Präsentation gegenseitig vorstellen werden. Der Workshop legt keinen Fokus auf eine bestimmte literarische Gattung, es können sowohl Prosatexte als auch lyrische, dramatische und Mischformen ausprobiert werden.

Martina Hefter, geboren 1965 in Pfronten/ Allgäu, lebt als Dichterin und Performancekünstlerin in Leipzig. Sie veröffentlichte die Gedichtbände „Nach den Diskotheken“ (kookbooks, 2010), „Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch“ (kookbooks, 2013) und zuletzt den Essay "Tanzen" ( Verlagshaus Berlin, 2014). Ihre letzten performativen Arbeiten waren “Two Minutes To Tomorrow”, gemeinsam mit der Künstlergruppe Bewegungsschreiber in Leipzig, sowie “Writing Ghosts”, eine performative Installation innerhalb des Projekts “Step-Text” am LCB Berlin (beide 2015).

Martina Hefter ist Mitglied der 2015 gegründeten Performancegruppe “Kollektiv pik 7” in Leipzig. Ihr dritter Gedichtband erscheint im Frühjahr 2016 bei kookbooks.

 

 

Translating the Self
Gal Naor

"The foreclosure Western way of thinking replicates a symptom in our everyday life. This is the main primary structure of the ego; to forget, to ignore and to turn the back to the tendency of the ‘other’, which is omnipresent in our lives. How do the language barriers design the conversation with the ‘other’? Is it possible to transcend these boundaries and if so, how?” (Dr. Hagi Canaan, Tel-Aviv University Philosophy Lecturer, referring to the concept of “Radical Otherness” by the French philosopher, Emmanuel Levinas).

By not using one of our senses, we naturally enhance some others. Unleashing the other from within us, we will learn how to transform a disadvantage into an advantage. Sign-Language interpreter and performance artist, Gal Naor (“The Progressive Wave”) is sharing his unique working methods, inviting the participants to peel-off some cognitive layers in order to discover new ways of expression and attention. Towards where our awareness should be directed in order to smear the boundaries between the self and the other? What is the difference between the “Self” and the “I” and how can it assist us in receiving new forms of information in different ways of communication.

Gal Naor, is an Israeli Sign Language interpreter and performance artist. In his pieces he deals with the relationship between language, identity and culture. His intensive engagement within the Deaf social circles in Israel and Germany is significantly contributing to his artistic researches. In 2014 he created in collaboration with the due-choreographers matanicola his debut interdisciplinary dance performance bodieSLANGuage with Deaf and hearing international dancers, coproduced by Theater Freiburg and Ballhaus Ost Berlin and sponsored by HKF Berlin.

In 2016 Gal will work on his new solo piece The Translator’s Overture, an opening chapter for his up-coming performance trilogy Signs of Lights and Vessels.

 

 

Beobachtung und Anverwandlung
Jonathan Achtsnit und Sabine Kuhn

Das Andere ist das mir nicht Eigene. Das mir Eigene konstituiert sich zugleich immer über das Andere. Der Workshop stellt sich die Frage, wie wir mit dieser Beziehung umgehen können.

Um uns dieser Fragestellung zu nähern, suchen wir den Zugang zunächst über präzise Beobachtung. Wir nutzen unsere Neugier und nehmen unser Umfeld und die anderen Teilnehmenden achtsam war, um die Differenz zwischen dem Anderen und dem Eigenen zu bestimmen. Dadurch kommen wir mit unseren Vorannahmen, Interpretationen und Zuschreibungen in Berührung.

Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, werden wir uns in mehreren theatralen Versuchsanordnungen zu Mimikry, Symbiose und der Synchronizität von Ereignissen dem Anderen anverwandeln. Bewegungen, Handlungen und Sprache aller Teilnehmenden verweben sich so auf verschiedenen Bedeutungsebenen. Dabei können die Einzelnen Impulse setzen, die das Spiel aller beeinflussen und begrenzen und sind gleichzeitig sich-selbst entgrenzend an dieser kollektive Gegenwartsidentität beteiligt.

Durch die damit Erreichte Auflösung in einübergeordnetes Anderes, wird es uns möglich, einen spielerischen Umgang mit Identität zu schaffen.

Jonathan Achtsnit, Jahrgang 1990, in Wien geboren, studierte 2009–2013 Bildungswissenschaft mit Schwerpunkt psychoanalytischer Pädagogik und Theaterwissenschaften an der Universität Wien, bevor er von 2013­2015 Teil des Studiengangs der  Theaterpädagogik an der Universität der Künste wurde. In seiner letzten Inszenierung verorteten sich Protagonist*innen aus der Berliner LGBTIQA*­Szene szenisch im Diskurs rund um Gender und Queerness.

Jonathan Achtsnit arbeitet als freischaffender Theaterpädagoge in Berlin und Wien.


Sabine Kuhn, 1979 in München geboren, absolvierte 2002–2007 ein Fotodesignstudium in München und arbeitete als Fotografin und Performerin in Projekten der kulturellen Bildung. 2013–2015 nahm sie das Masterstudium der Theaterpädagogik an der Universität der Künste in Berlin auf. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich praktisch und theoretisch mit Strategien gegen normierende Darstellung. Ihre Inszenierungen bewegen sich an der Schnittstelle von Performance und Theater.

Seit 2015 arbeitet sie als freischaffende Theaterpädagogin in Berlin und München.

 

 

In the world of the other – meditation and imagination/In der Welt des Anderen – Meditation und Imagination
Ruth Seehausen and Philipp Kanske
(In the world of the other: Ruth Seehausen, Meditation: Philipp Kanske)

Even though we experience each other as separate, we may be more similar than we think. How can we build bridges to the other? And which bridges do we want?

People have been meditating for millennia and many forms of meditation focus on bringing us closer to ourselves and to others, to reach an understanding of the other through a better understanding of ourselves.

The workshop provides an insight into meditation, lets try things out, offers room for experiencing the world of the other, his/her perspective and feelings. Based on far eastern wisdom traditions and current scientific insight, we will meditate together, be in dialogue, get to know different ways to meditate that may start a process reaching beyond the workshop.

Obwohl wir Menschen uns als getrennt erleben, sind wir uns vielleicht ähnlicher, näher als wir meinen. Wie kann es uns gelingen Brücken zum Anderen zu bauen? Und welche Brücken überhaupt?

Menschen meditieren seit Jahrtausenden und viele Formen der Meditation sind darauf ausgerichtet uns uns selbst und damit auch Anderen näherzubringen, durch das Verständnis von mir selbst zum Verständnis des Anderen zu gelangen.

Der Workshop gewährt Einblicke in Meditation, lässt ausprobieren, bietet Raum für das Erfahren der Welt des Anderen, seine(r) Perspektive, seiner Gefühle.  Basierend auf fernöstlichen Weisheitstraditionen und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen werden wir  gemeinsam meditieren, im Dialog sein, verschiedene Möglichkeiten der Meditation kennenlernen, die einen Prozess beginnen können der über den Workshop hinausreicht.

Ruth Seehausen holds a psychology degree and works as a systemic coach, organizational consultant, and communication trainer. She has recently fulfilled the role of compassion trainer in the ReSource Project, conducted by the Max Planck Institute for Human Cognitive and Brain Sciences in Leipzig. Having studied and practiced Buddhist philosophy and meditation for 30 years, in her capacity of senior instructor she provides guidance and support to meditation students, and spends several weeks each year attending both single and group meditation and compassion retreats.

 

 

 

Philipp Kanske is a psychologist, neuroscientist and psychotherapist, currently heading the Research Group “Psychopathology of the Social Brain” at the Department of Social Neuroscience, Max Planck Institute for Human Cognitive and Brain Sciences, Leipzig. His work centers on emotion, how we regulate emotions and understand the emotions of others. He uses neuroscience tools to investigate alterations of these processes in patients with mental disorders and to elucidate plasticity through trainings. His work on emotion-cognition interactions was awarded the Otto Hahn Medal of the Max Planck Society.